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Museum

Das innerhalb des Weingutes Zeni eingerichtete Weinmuseum liegt im Panoramagegend Costabella, auf dem zauberhaften Hügel gegenüber des direkt auf den Gardasee blickenden Dorfes Bardolino. Seit 1991 gibt das von seinem Besitzer Gaetano Zeni konzipierte und realisierte Museum Zeugnis von der Weinbaukultur, an die die Familie Zeni seit Generationen stark gebunden ist. Überdies stellt es eine Reise durch die Welt des Weines und seine Geschichte dar. Das Museum ist in thematischen Bereichen unterteilt, jedes von denen einer der verschiedenen Phasen des Weinherstellungsprozesses, von der Weinbergspflege zur Weinlese, über das Weinkeltern und die Reifung bis zur Flaschenabfüllung und Weinvermarktung, gewidmet ist.

Der Weinbau

ingranaggi vecchio torchio

Der erste Bereich des Museums ist der Arbeit im Weinberg gewidmet. Entlang der Wand sind Beispiele von immer noch weit verbreiteten Reberziehungssystemen ausgestellt, und zwar “doppio capovolto”, “cordone speronato”, ”pergola trentina” „doppelter Guyot“ und “einfacher Guyot”.

Obwohl diese Erziehungsformen noch weit verbreitet sind, ist das “Guyot-System” das heutzutage am häufigsten verwendete. In diesem Raum sind auch Pumpen und Spritzen mit Blasebalg für schwefel- und kupferhaltige Spritzmittel ausgestellt, die zur Schädlingsbekämpfung im Weinberg verwendet wurden. Die Ausstellung umfasst auch mehrere Exemplare eines landwirtschaftliches Gerätes, welches als das wichtigste in der Geschichte der Zivilisation betrachtet wird: Der Pflug.

Mit der Verwendung des Pfluges begann man den Boden gründlich aufzulockern und konnte daher erfolgsreichere und sicherere Ernten erhalten. Die hier ausgestellten Pflüge wurden von Tieren gezogen. Eine Tafel an der Wand veranschaulicht Beispiele von alten und neuen aufgepfropften Edelreben auf reblausresistenten amerikanischen Unterlagsreben. Die Europäerrebe gehört der Art Vitis vinifera an, welche vor der amerikanischen und der asiatischen die bedeutendste Rebart darstellt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden alle europäischen Reben von der Reblaus (Phylloxera) befallen, die sich schnell in den europäischen Weinanbaugebieten ausbreitete. Zur Schädlingsbekämpfung wurden reblausresistente Unterlagsreben aus Amerika mit einheimischen Edelreben bepfropft.

Die Traubenverarbeitung

particolare di un vechhio torchio

Der zweite Museumsbereich ist den verschiedenen Schritten der Traubenverarbeitung gewidmet. Unter den unentbehrlichen Werkzeugen für den Ausbau des Weins findet man eine Waage, die bis ins letzte Jahrhundert zum Messen der mit Trauben gefüllten Körbe verwendet wurde.

Dieser Raum beherbergt auch zwei antike Mühlen zum Einmaischen der Trauben: eine mechanische Traubenmühle vom Anfang des 20. Jahrhunderts und eine klassische manuelle Quetschmühle des Mittelalters. Letztere besteht aus einem Holzbehälter, in den die gelesenen Trauben geleert und anschließend mit den Füßen zerstampft wurden.

Die Ausstellung umfasst auch traditionelle landwirtschaftliche Wagen für den Transport der gelesenen Trauben und ein einfaches Gestell für die Traubentrocknung, im Dialekt „Peagnà“ genannt, auf denen die Trauben zur Herstellung der berühmten Weine Amarone und Recioto della Valpolicella ausgelegt und getrocknet wurden. Weiterhin wird in der Ausstellung eine Vielzahl antiker Werkzeuge für die Traubenverarbeitung gezeigt: große Holztrichter, mehrere Holzbehälter und Rückentragekörbe für den Transport sowohl des Mostes als auch des Weines.

Alle diese Schritten der Traubenverarbeitung sind auf Bardolino-Dialekt und sie erinnern einen ganz alten Ritus: èl foladòr, èl sganfiò, la tramòsa, la lèca, el brentèl.

Die Weinherstellung

antica spillatrice imbottigliatrice

Nach der Traubenverarbeitung, von der Lese bis hin zum Einmaischen, erfolgt eine Reihe von Kellereiarbeiten, welche mit der Herstellung des Weines als fertiges Produkt endet.

In diesem Raum werden Geräte und Werkzeuge ausgestellt, die für die einzelnen Vorgänge der Weinherstellung verwendet werden. Im ersten Teil des Raumes befindet sich eine antike Traubenmühle und altertümliche, landwirtschaftliche Wagen für den Transport der mit Wein gefüllten Holzfässer.

Die Ausstellung umfasst auch einige Weinpumpen, manche vom Anfang des 20.Jahrhunderts und andere aus noch älteren Zeiten, die für das Umfüllen des Weines von Fass zu Fass verwendet wurden, um den Wein von Rückenständen zu befreien und zu klären.

Zum Abschluss der Weinherstellung sind dann noch einige Korkenmaschinen ausgestellt, darunter einige mittelalterliche, völlig aus Holz gefertigte, als auch einige modernere Versionen mit Metallteilen.

Die Werkzeuge des Küfers

antico forcone

Weiter auf dem Rundgang betritt man einen Bereich, welcher den Werkzeugen des Küfers gewidmet ist. Der Fassküfer ist ein handwerklicher Beruf, bei dem Gefäße, meist aus Holz, hergestellt werden. Was einst ein weit verbreiteter Handwerksberuf war, ist heute eine Kunst, die nur wenige beherrschen.

Für die Herstellung der Holzfässer werden eiserne Fassreifen mit abnehmendem Durchmesser und Dauben benötigt, welche sich zum Ende hin verjüngen. Der Fassrumpf entsteht durch das Aneinandersetzen der einzelnen Dauben, die mit einem Stahlreifen fest zusammengehalten werden.

Um die Dauben biegen zu können, wird das Fass mit einem kleinen Feuer erwärmt. Das "Toasten" der inneren Fasswände macht die Dauben gefügig und ermöglicht das Zusammenziehen mit weiteren Stahlreifen. Ist der Fassrumpf fertig, werden die Böden in die eingefräste Nut eingesetzt. Die antiken Werkzeuge des Küfers sind auf einem Arbeitstisch vom Ende des 19. Jahrhunderts ausgestellt.

Unter den hier versammelten Werkzeugen findet man Äxte zur Bearbeitung der einzelnen Dauben, Hobel, Holzbohrer in verschiedenen Größen, ein Hammer zum Aufziehen der Stahlreifen und ein spezielles Werkzeug ("Resinatore"), das zum Einschneiden der Böden und Deckel des Fasses verwendet wird, um sie in die Nut an der Innenseite der Dauben einsetzen zu können.

Die Ursprünge

antica anfora

Der fünfte Raum des Museums beherbergt eine Sammlung von Werkzeugen und Objekten, die an die Ursprünge der alten Kunst der Weinherstellung erinnern.  Im Mittelpunkt steht eine Weinpresse des 15. Jahrhunderts. Das „Traubenpressen“ ist das Verfahren zum Pressen des Tresters, das nach dem Einmaischen (d.h. dem Auspressen der Trauben) folgt.

Dabei wurden die Trester aus dem Gärbehälter in die Weinpresse gegeben und gepresst bis sie auf rund ein Drittel ihres Gewichtes reduziert war. Die Trester konnten mehrmals gepresst werden, wodurch man den so genannten Tresterwein erhielt, der früher - trotz seiner niedrigen Qualität - als Hausgetränk für die Familie des Winzers serviert wurde.

Die hier ausgestellte Presse ist eine Schraubenpresse nach genoveser Art. Sie besteht aus einem zylindrischen Holzbehälter, der mit Trester gefüllt wurde. Die Weinpresse kann durch Seile über eine Untersetzung betrieben werden, um den Kraftaufwand von Mensch oder Tier zu reduzieren, wenn der Druck auf die Maische erhöht werden sollte.